Ohne Smart Meter keine Energiewende – warum Deutschland sich selbst blockiert

Ohne Smart Meter keine Energiewende – warum Deutschland sich selbst blockiert

Pressemitteilung | 27. Januar 2026

Smart Meter

Kommentar von Bastian Gierull, Deutschlandchef von Octopus Energy

Die deutsche Energiewende steht an einem entscheidenden Punkt. Wir haben genügend erneuerbare Energiequellen, technologieoffene Lösungen und eine starke Nachfrage nach Flexibilität. Was fehlt, ist ein funktionierender politischer Rahmen, der diese Zukunft gestaltet, insbesondere bei einer Grundvoraussetzung: dem Smart-Meter-Rollout. Der schleppende Einbau intelligenter Zähler ist längst nicht mehr ein technisches Detail, sondern ein energiepolitischer Engpass. Er bremst Effizienz, blockiert Innovation und verhindert, dass Verbraucher*innen und Netze die Vorteile der Digitalisierung tatsächlich nutzen können.

Ein flexibles Stromsystem lebt davon, dass Strom genau dann genutzt wird, wenn er besonders günstig und grün ist. Dafür braucht es Smart Meter, die Verbrauchsdaten in kurzen Intervallen liefern und damit dynamische Tarife, Lastverschiebung oder intelligente Steuerung ermöglichen. Doch in Deutschland sind intelligente Messsysteme nach wie vor nur für einen kleinen Teil der Haushalte Realität, trotz gesetzlicher Vorgaben für einen Rollout bis 2032.

Politik und Behörden müssen jetzt Verantwortung übernehmen. Ziel muss es sein, Smart Meter als grundlegende Infrastruktur für das digitale Stromsystem zu etablieren. Vergleichbar mit der Breitband- oder Mobilfunkversorgung. Das erfordert mehr Tempo, klare politische Prioritäten und ein regulatorisches Umfeld, das Innovation nicht ausbremst, sondern fördert.

Fünf politische Hebel für einen beschleunigten Smart-Meter-Rollout

1. Der freiwillige Einbau von Smart Metern muss für alle Haushalte möglich sein und das schnellstmöglich. Wer sich heute für einen intelligenten Stromzähler entscheidet, muss ihn ohne monatelange Wartezeit erhalten. Dafür muss der wettbewerbliche Messstellenbetrieb gesichert und gestärkt werden. Wettbewerbliche Messtellenbetreiber sind der Garant für innovative und kundenfreundliche Lösungen und schon heute ein entscheidender Treiber des Rollouts. 

2. Die Regierung muss Smart Meter Light als praktikable, kostengünstigere Alternative gesetzlich verankern. Dieser einfachere Zähler konzentriert sich auf die Kernfunktion – nämlich den Verbrauch messen und übermitteln – und entspricht europäischen Standards. So lässt sich der Rollout deutlich beschleunigen, Kosten senken und Zugang für alle Haushalte schaffen. 

3. Deutschland braucht bundesweit einheitliche Anforderungen und eine zentrale Datenplattform. Denn das Klein-Klein aus mehr als 800 Netz- und Messstellenbetreibern verhindert Innovationen und Digitalisierung und treibt Kosten nach oben. Einheitliche Anforderungen und Prozesse würden den Markt öffnen, Wettbewerb stärken und schneller zu flächendeckender Digitalisierung führen.

4. Es braucht Kooperationen und mehr Transparenz. Derzeit werden nur die Einbauten der grundzuständigen Messstellenbetreiber erfasst. Künftig sollten auch Installationen von wettbewerblichen Anbietern registriert werden. Diese wachsen stark und können auch gMSB unterstützen, die beim Rollout hinterherhinken. Deshalb sollten die Einbauten von wMSB auf die Pflichtrolloutquoten angerechnet werden können. 

5. Die Bundesregierung muss die Kosten fair verteilen. Der regulatorische Rahmen muss so gestaltet werden, dass Anschaffungs- und Installationskosten keine Barriere darstellen. Insbesondere Haushalte mit geringem Verbrauch dürfen nicht ausgeschlossen werden. Auch sie müssen über Smart Meter Zugang zu dynamischen Tarifen, Verbrauchstransparenz und mehr Energieeffizienz erhalten, ohne unverhältnismäßige Mehrkosten.

Als Unternehmen übernehmen wir Verantwortung und treiben Flexibilität dort voran, wo es heute schon möglich ist. Octopus Energy setzt konsequent auf dynamische Tarife und digitale Lösungen, die Verbraucher*innen befähigen, ihren Stromverbrauch aktiv an das Angebot erneuerbarer Energien anzupassen. Wir zeigen in Pilotprojekten mit Messstellen- und Netzbetreibern zusammen und setzen uns für pragmatische Modelle ein, um den Smart-Meter-Einbau auch außerhalb klassischer Pflicheinbautfälle zu ermöglichen, etwa durch über Liegenschaftsmodelle für Mehrfamilienhäuser und die 1:n-Lösung (one-to-network), wo mehrere Zähler an ein einziges Smart-Meter-Gateway geknüpft. Das senkt Kosten und vereinfacht den Rollout. 

Darüber hinaus engagiert sich Octopus Energy gemeinsam mit anderen digitalen Energieanbietern in der Smart-Meter-Initiative, um den Rollout transparenter und schneller zu machen. Mit dem Smart-Meter-Atlas schaffen wir erstmals eine öffentlich zugängliche Übersicht über den Fortschritt des Pflichtrollouts in allen deutschen Netzgebieten. Ziel ist es, regionale Unterschiede sichtbar zu machen, gute Beispiele hervorzuheben und klar zu benennen, wo der Rollout stockt. Denn nur wenn offen nachvollziehbar ist, wie einzelne Messstellenbetreiber vorankommen, kann gezielt gesteuert, verbessert und beschleunigt werden.

Diese Maßnahmen sind nicht hoch akademisch, sondern politisch umsetzbar und dringend notwendig. Wenn Deutschland die Energiewende ernst meint, muss es jetzt den Turbo beim Smart-Meter-Rollout zünden. Ein modernes Stromsystem entsteht nicht von allein. Es braucht mutige Entscheidungen, klare Rahmenbedingungen und das Vertrauen, dass Digitalisierung keine Bürde ist, sondern ein Vorteil für alle. Nur so erreichen wir stabile Netze, faire Preise und echte Teilhabe an der Energiewende für alle Haushalte.

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Senior PR & Communications Manager

Domenik Brader

Domenik Brader

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