Deutschland zahlt die Treuestrafe!

30 Millionen Haushalte zahlen jährlich 300 bis 500 Euro zu viel für ihren Strom, weil sie in zu teuren Bestandstarifen stecken. Dahinter steht ein Geschäftsmodell: Lockangebote für Neukunden, überteuerte Tarife für Bestandskunden. Wir fordern mehr Transparenz, damit günstige Preise bei allen ankommen.

30 Millionen

Betroffene Haushalte in Deutschland

13 ct/kWh

zahlen Bestandskunden im Schnitt mehr als Neukunden

11 Mrd. €

jährlicher Kaufkraftverlust aller betroffenen Haushalte

Das Problem: Die Treuestrafe als Geschäftsmodell

Hinter vielen Stromtarifen mit günstigen Einstiegskonditionen steckt meist kein glückliches Schnäppchen, sondern eine bewusste Strategie: Anbieter locken Neukunden mit niedrigen Preisen, die sich nach Ablauf der Preisgarantie drastisch erhöhen. Wie groß das Problem ist, zeigt eine von uns beauftragte Studie der RWTH Aachen:

Grafik zum Vergleich der Strompreise für Bestandskunden und Neukunden von 2023 bis 2025, die die Medianentwicklung in ct/kWh zeigt.

In Deutschland zahlten Bestandskund:innen im Jahr 2025 im Schnitt 13 Cent mehr pro Kilowattstunde Strom als Neukund:innen. Von dieser sogenannten „Treuestrafe“ waren bis zu 30 Millionen Haushalte betroffen: Sie gaben jährlich durchschnittlich 300 bis 500 Euro mehr für ihren Strom aus, als durch einen einfachen Wechsel möglich gewesen wäre.

So funktioniert das System der Treuestrafe:

Vergleichsportale werden mit Kampfpreisen dominiert. Die angegebenen Durchschnittspreise beinhalten jedoch hohe Bonuszahlungen, die den realen Preis verschleiern. Die Marge ist zu diesem Zeitpunkt gering oder sogar negativ.

Nach dem Ende der Preisbindung kommt oft ein Preisanpassungsschreiben. Für Verbraucher sind diese Schreiben oft schwer einzuordnen: Sie erfahren, warum der Preis steigt, aber nicht, ob der Anbieter gleichzeitig günstigere Tarife anbietet.

Wer nicht aktiv wechselt – weil er keine Zeit hat, weil die Komplexität abschreckt oder weil er gar nicht weiß, dass er zu viel zahlt – bleibt über Jahre in einem teuren Bestandskundentarif. Diese Tarife bescheren Strom- und Gasanbietern hohe Gewinne und führen zu Frust über hohe Strompreise bei Verbrauchern.

Ein Wechsel spart bis zu 500 Euro

Im Jahr 2025 betrug der Unterschied zwischen bestehenden Verträgen und dem günstigsten Neukundentarif pro Haushalt im Durchschnitt mehrere Hundert Euro pro Jahr. Die größte Preisdifferenz zeigt sich bei der Grundversorgung: Hier zahlen Haushalte jährlich im Schnitt 490 Euro mehr als im besten Neukundentarif. Aber auch für Kunden, die bereits einen Sondertarif ihres örtlichen Versorgers nutzen, lag der finanzielle Unterschied bei satten 340 Euro. Insgesamt zahlen Haushalte in Deutschland so jedes Jahr bis zu 11 Milliarden Euro zu viel für Strom.

Balkendiagramm, das das Kosteneinsparpotenzial in Euro pro Jahr für den Zeitraum 2023 bis 2025 darstellt, mit jeweils drei Kategorien pro Jahr.

Unterschied zwischen Grundversorgung und Neukundenpreis

Unterschied zwischen Grundversorger außerhalb Grundversorgung

Neukundenpreis

Quelle: RWTH Aachen Kurzstudie 2026

Mangelnde Transparenz verhindert Tarifwechsel

Obwohl Haushalte in Deutschland zwischen über hundert Stromanbietern wählen können, wechseln nur die wenigsten ihren Tarif proaktiv. Vor der Energiekrise lag die Wechselquote (ohne Umzüge) bei gerade einmal zehn Prozent. Als Folge der Energiekrise erreichte die Wechselquote 2024 ein Allzeithoch von 18%. Nichtsdestotrotz bedeutet das: aktuell nutzt nicht einmal jeder fünfte Haushalt in Deutschland das massive Einsparpotential eines Tarifwechsels. 

Balkendiagramm, das die prozentualen Anteile der Haushalte von 2019 bis 2024 darstellt, mit zwei farbigen Segmenten – blau und violett –, die verschiedene Kategorien kennzeichnen.

Tarifwechsel beim gleichen Anbieter

Lieferantenwechsel (ohne Pflichtwechsel bei Umzug)

Quelle: Monitoringberichte der BNetzA 2019-2025

Andere Länder gehen bereits gegen die Treuestrafe vor

Ein pinker Octopus hält die Flagge von Großbrittanien

Vereinigtes Königreich

Die Behörde Ofgem setzt alle drei Monate eine Preisobergrenze für den Standard Variable Tariff (SVT) fest. Das verhindert starke Preiserhöhungen.

Ein pinker Octopus hält eine Italien Flagge

Italien

Stromanbieter müssen ihre Margen gestaffelt nach Vertragsart an die Behörde ARERA berichten. Das schafft Transparenz über Margen bei Neu- und Bestandskunden.

Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Deutschland
Der Preiswettbewerb versagt für 30 Millionen Haushalte, die ihren Tarif nicht jedes Jahr wechseln. Das Ergebnis: ein gesamtdeutscher Kaufkraftverlust von 11 Milliarden Euro – jedes Jahr. Andere Länder haben gehandelt. Deutschland kann das auch.

Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Deutschland

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Senior Political and Public Affairs Manager