
E-Auto als Batteriespeicher verwenden? So funktioniert Bidirektionales Laden
E-Autos stehen statistisch gesehen 23 Stunden am Tag nur herum. Was wäre, wenn man sie in dieser Zeit wie einen Batteriespeicher nutzen könnte, um das eigene Haus zu versorgen oder Strom sogar zurück ans Netz zu verkaufen? Hier kommt das Konzept des bidirektionalen Ladens ins Spiel. Was genau das ist, erklären wir dir in diesem Beitrag.
19. Februar 2026
|Was ist bidirektionales Laden überhaupt?
Bidirektionales Laden beschreibt, wie der Name andeutet, den Stromfluss in zwei Richtungen. Ein gutes Beispiel dafür kennst du bereits: eine Powerbank. Du lädst sie an der Steckdose auf, kannst mit ihr unterwegs aber auch dein Handy laden. Strom fließt also hinein und bei Bedarf wieder heraus.
Beim bidirektionalen Laden von E-Autos funktioniert das Prinzip ähnlich: Du lädst dein Auto nicht nur auf, sondern kannst den gespeicherten Strom auch wieder abgeben, um elektrische Geräte, deinen Haushalt und sogar das Stromnetz mit Strom zu versorgen. Das könntest du beispielsweise mit einer Solaranlage verbinden: Du speicherst überschüssigen Sonnenstrom tagsüber, wenn die Sonne scheint, im Auto und nutzt ihn nachts im Haus.
Die verschiedenen Varianten des bidirektionalen Ladens mit E-Autos
Es gibt drei verschiedene Arten des bidirektionalen Ladens von E-Autos:
Vehicle-to-Load (V2L/V2D): Die einfachste Form. Hier kannst du dein Auto als Steckdose für unterwegs verwenden. Du kannst zum Beispiel deinen Laptop, e-Bike-Akkus oder einen Elektrogrill direkt anschließen. Dein Haus kannst du so aber nicht versorgen.
Vehicle-to-Home (V2H): Dein Auto ist mit dem Hausnetz verbunden und versorgt dich mit Strom, wenn die Sonne nicht scheint oder der Strom teuer ist. Das Auto dient also als Speicher für den Eigenbedarf.
Vehicle-to-Grid (V2G): Das Auto gibt überschüssigen Strom nicht nur ins Haus, sondern ins öffentliche Stromnetz ab. Tausende E-Autos könnten so gemeinsam Schwankungen im Stromnetz ausgleichen und als virtuelles Kraftwerk dienen. Denn: 15 Millionen E-Autos haben die Leistung von über 100 Atomkraftwerken.
Warum machen wir das nicht alle schon längst?
Obwohl die Idee simpel klingt – das E-Auto speichert Strom und gibt ihn bei Bedarf wieder ans Netz ab – hakt es in der Praxis noch an mehreren Stellen: Erstens können noch nicht viele Autos und Wallboxen überhaupt bidirektional laden. Zweitens braucht man dafür intelligente Stromzähler und digitale Technik beim Netzbetreiber, die noch nicht überall eingebaut ist. Drittens war lange unklar, wie das rechtlich und bei Netzentgelten geregelt wird, sodass sich das finanziell kaum lohnte. Und schließlich müssen Autohersteller, Energieversorger und Netzbetreiber technisch perfekt zusammenspielen – das ist komplex und wird gerade erst Schritt für Schritt aufgebaut.
Warum wir bidirektionales Laden dringend brauchen
Die Energiewende stellt uns vor eine große Herausforderung: Erneuerbare Energien wie Wind und Sonne liefern nicht immer dann Strom, wenn wir ihn brauchen. Mal weht kein Wind, mal scheint die Sonne im Hochsommer so stark, dass wir den Strom kaum verbraucht bekommen. Wir brauchen also Speicher, um diese Energie "aufzuheben".
Statt teure, neue Batteriespeicher-Parks zu bauen, könnten wir einfach das nutzen, was ohnehin da ist: Elektroautos. Wenn diese Autos herumstehen, bilden sie zusammen einen dezentralen Großspeicher. Wären all diese Autos jetzt vernetzt, könnten sie Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. So können Haushalte problemlos über 700 Euro jährlich sparen. Das E-Auto wird so vom reinen Fortbewegungsmittel zum aktiven Teil der Energiewende.
Blick nach Großbritannien: So kommt die Zukunft jetzt auch zu uns
Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie die Zukunft aussieht. Hier bieten wir mit dem Octopus Power Pack einen Tarif an, der E-Auto-Fahren fast kostenlos macht. Das Ganze funktioniert so: Du garantierst, dass dein Auto regelmäßig am Stecker hängt (ca. 12 Stunden am Tag, 20 Mal im Monat). Wir steuern dann die Ladung vollautomatisch. Dein Auto lädt, wenn der Strom grün und günstig ist, und zieht Strom ab, wenn die Nachbarschaft ihn braucht. Im Gegenzug ist der Ladestrom für die meisten Kunden komplett kostenlos.
Deutschland war etwas langsamer bei dem Thema. Lange bremsten alte Vorschriften und Regulierung bidirektionales Laden. Jetzt starten wir mit Octopus PowerDrive auch hier mit V2G durch, damit du dein Auto als aktiven Stromspeicher nutzen kannst. Erstmal ist der Tarif nur für Besitzer eines neuen Ford Capri oder Ford Explorer verfügbar. Mittelfristig wird Octopus in Deutschland aber möglichst viele Hersteller und Marken integrieren.
Das System funktioniert ähnlich wie in England:
Du brauchst eine spezielle DC-Wallbox (z.B. von Ambibox) und ein kompatibles Auto.
Wenn dein Auto mindestens 300 Stunden im Monat an der Box hängt (das sind z.B. die Nächte und das Wochenende), bekommst du 30 Euro gutgeschrieben.
Zusätzlich bekommst du Rabatt auf den Strompreis (ca. 15 Cent/kWh effektiver Ladepreis).
Mit der Kombination aus Gutschrift und extrem günstigem Strom fährt man circa 16.000 Kilometer im Jahr kostenlos. Viele zahlen also am Ende des Jahres keinen Cent mehr für ihre Ladung.
Fazit
Bidirektionales Laden ist der logische nächste Schritt der Mobilitätswende. Mit ihm wird dein E-Auto zum aktiven Teil des Energienetzes und hilft, das Netz stabil zu halten. Mit dem Start im Sommer 2026 holen wir diese Technologie endlich auch nach Deutschland. Für dich bedeutet das: Weniger Stromkosten, mehr Unabhängigkeit und das gute Gefühl, die Energiewende aktiv zu unterstützen.
Luca Illgen
Marketing



