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Das Merit-Order-Prinzip: So hängen Strompreis und Gaspreis zusammen

31. März 2026 von Octopus Energy

Seit 2022 prägen weltpolitische Entwicklungen auch die Energiemärkte. Insbesondere der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und der Iran-Krieg haben zu deutlichen Preissteigerungen geführt. Schnellt der Gaspreis in die Höhe, steigt automatisch auch der Strompreis. Doch wieso ist das so? Grund dafür ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip. Erfahre hier, was hinter dem Marktmechanismus steckt – einfach erklärt für mehr Durchblick in Sachen Strom und Preisentwicklung.

Der Merit-Order-Effekt einfach erklärt

Dass der Strompreis an den Gaspreis gekoppelt ist, liegt an der sogenannten Merit-Order. Dieses Marktprinzip ist die Basis für den Strompreis, der an der Strompreisbörse ausgehandelt wird. 

Kurzer Kontext: Elektrische Energie gibt es nicht einfach so. Sie muss in dem Moment erzeugt werden, wenn sie gebraucht wird – im Tagesverlauf kann das stark schwanken. Daher koordinieren Netzbetreiber durchgängig einen Mix aus verschiedenen Kraftwerken

Merit-Order bedeutet übersetzt „Reihenfolge der Vorteilhaftigkeit“. Die Vorteilhaftigkeit bezieht sich dabei auf die sogenannten Grenzkosten, also darauf, wie günstig ein Kraftwerk eine zusätzliche kWh Strom erzeugt. Bei steigendem Bedarf liefern zuerst die Kraftwerke Strom, die niedrige Produktionskosten haben. Dazu gehören zum Beispiel Wind- und Solaranlagen – denn Wind und Sonne schicken keine Rechnung. Wenn der Bedarf steigt, kommen Kernkraft-, Kohle- und zum Schluss Gaskraftwerke dazu, um den Strombedarf vollständig zu decken. Das Ganze funktioniert also wie eine Treppe.

Warum hängt der Strompreis am Gaspreis?

Der entscheidende Punkt: Das zuletzt benötigte Kraftwerk – und damit auch das teuerste – bestimmt immer den Strompreis für alle Anbieter am Markt. In der Regel sind das Gaskraftwerke. Denn: Sie brauchen teures Gas zum Verbrennen und müssen zusätzlich für jede ausgestoßene Tonne CO₂ bezahlen. 

Der Preis des teuersten Kraftwerks, das gerade gebraucht wird, ist der sogenannte Market Clearing Price. Das ist eine Art Gleichgewichtspreis – er stellt die Balance zwischen Stromnachfrage und dem letzten benötigten Watt her.

Was spricht für das Merit-Order-Prinzip?

Auf den ersten Blick erscheint der Marktmechanismus fragwürdig: Wieso bestimmt das teuerste Kraftwerk den Preis für alle? Das wäre fast so, als würde man im Supermarkt einen Apfel kaufen, aber den Preis für die Mango zahlen müssen. Doch es gibt einige gute Gründe für das Merit-Order-Modell:


1. Anreize für erneuerbare Energien

Alle Anbieter erhalten den Preis des teuersten Kraftwerks. Gerade Betreiber von Wind- und Solarparks können hohe Gewinne erzielen, weil ihre Erzeugungskosten fast bei null liegen. Das setzt Anreize, noch mehr in erneuerbare Energien zu investieren.


2. Wettbewerb belebt das Geschäft

Jedes Kraftwerk verdient nur dann Geld, wenn es auch zum Zug kommt. Es existiert also ein permanenter Druck, effizienter zu werden und die Grenzkosten zu senken. Davon profitieren Verbraucher*innen, gleichzeitig wird der technische Fortschritt gefördert.

Das Merit-Order-Prinzip ist ökonomisch unumstritten, weil es derzeit das effizienteste Werkzeug für einen funktionierenden Strommarkt ist. Klar ist aber auch: Nur wenn man erneuerbare Energien massiv ausbaut und sie so oft wie möglich 100 % des Bedarfs decken, sinkt der Preis für alle dauerhaft.

Merit-Order-Modell: Kritik

Die Kritik am Marktmodell liegt auf der Hand: Solange es nicht gelingt, den Strombedarf vollständig durch erneuerbare Energien zu decken, besteht eine preisliche Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen

Vielmals bemängelt wird auch, dass nur die Grenzkosten in die Betrachtung einfließen. Die Kosten für den Bau, die Finanzierung und die langfristige Instandhaltung von Kraftwerken – die sogenannten Fixkosten – bleiben bei der Preisbildung an der Börse komplett unberücksichtigt. Das führt dazu, dass der Marktpreis lediglich den Momentaufwand widerspiegelt, aber nicht die tatsächlichen Gesamtkosten der Energieversorgung.