
Märkte am Limit – Wie kann die Politik die Preise senken?
Energie ist teuer geworden. Doch globale Krisen sind nur ein Teil des Problems. Wer in Deutschland seinem Stromanbieter treu bleibt, zahlt oft hunderte Euro drauf. Wir erklären dir, wie der Markt Kund*innen das Geld aus der Tasche zieht und was die Politik jetzt ändern muss.
03. Juni 2026
|Die Energiepreise sind seit Beginn des Iran-Kriegs massiv gestiegen, denn es fehlen täglich 20 Millionen Barrel Öl. Das große Problem ist die sogenannte Versorgungsträgheit: ein Öltanker ist nur so schnell wie ein Fahrrad, weshalb er sehr lange braucht, um seine Ware zum Ziel zu bringen. Stell dir vor, du müsstest vom Iran aus einmal ganz um Afrika radeln, um Öl in Europa zu liefern. Deswegen dauert es schätzungsweise 6 bis 10 Wochen, bis die Versorgung wieder läuft, sobald die Ölversorgung mal ausfällt.
In Deutschland steigen dabei Benzin- und Dieselpreise dabei aber oft schneller als in anderen Ländern. Und auch beim Strom gehören wir zu den teuersten in Europa. Kurzfristige politische Sofortmaßnahmen wie Rabatte und Steuersenkungen können zwar entlasten, sind aber teuer und helfen nur bedingt. Die aktuellen Preise sind das Ergebnis von politischen Entscheidungen, globalen Krisen und davon, wie unser Markt funktioniert. Genau darüber haben wir beim vierten OctoTalk diskutiert – mit Stimmen aus Politik, Verbraucherschutz und Energiewirtschaft.
Warum zahlen wir in Deutschland so viel für Energie?
Ein wesentlicher Treiber für die hohen deutschen Strompreise liegt in der Struktur des Marktes selbst, insbesondere im Verhältnis zwischen Neukunden- und Bestandskundentarifen. Deine Stromkosten bestehen aus mehreren Komponenten, wobei Beschaffung und Netzentgelte den größten Anteil ausmachen. Bei den Tarifen selbst werden diese Kosten jedoch oft nicht fair verteilt. Neukundentarife auf Preisvergleichsseiten weisen oft negative Margen von bis zu -50 % auf, was bedeutet, dass der Anbieter Verlust macht. Das liegt daran, dass dort hohe Boni angeboten werden, um attraktiv zu erscheinen und neue Kund*innen zu gewinnen. Das Unternehmen muss nun abwägen: Wie viel Marge muss die Kund*in einbringen, damit es sich finanziell lohnt? Wie viel ist sie bereit zu zahlen, bevor sie kündigt?
Die Folge: Nach einem Jahr kommt meistens die Preiserhöhung. So zahlen Bestandskund*innen im Schnitt 13 ct/kWh mehr als Neukund*innen. Ihre Tarife liegen damit weit über einem "fairen" Referenztarif. Diese Diskrepanz, oder auch “Anlocken & Abzocken”, verschleiert durch die hohen Boni zusätzlich die tatsächliche Preissteigerung.
Obwohl diese Praxis den Wettbewerb verzerrt, bleiben die Deutschen tendenziell ihrem Anbieter treu. So zahlten drei Viertel der Deutschen bis zu 500€ zu viel für ihren Strom. Aber: es geht auch anders. Wir versprechen, dass unsere Preise fair sind und bleiben.
Lösungsansätze aus anderen Ländern
Andere europäische Länder gehen bereits gegen diese Taktiken vor und schaffen mehr Transparenz und Fairness:
| Land | Maßnahme | Zielsetzung |
|---|---|---|
| Großbritannien (UK) | Die Behörde Ofgem setzt alle drei Monate eine Preisobergrenze für den Standard Variable Tariff (SVT) fest. | Verhindert starke Preiserhöhungen. |
| Italien | Stromanbieter müssen ihre Margen gestaffelt nach Vertragsart an die Behörde ARERA berichten. | Schafft Transparenz über Margen bei Neu- und Bestandskunden. |
Diese Beispiele zeigen: Ein fairer Strommarkt ist machbar. Deutschland könnte sich an diesen Vorgaben ein Beispiel nehmen, um Verbraucher*innen besser zu schützen.
Fazit des OctoTalks
Die hohen Energiepreise wirken nicht wie ein Naturgesetz, sondern sind das Ergebnis politischer Entscheidungen, globaler Krisen und der Funktionsweise unseres Marktes. Das bedeutet:
Kurzfristige Maßnahmen, wie Tankrabatte, lösen das strukturelle Problem nicht.
Langfristig kommt es darauf an, dass Märkte richtig funktionieren. Preise müssen fair, verständlich und verlässlich sein.
Wenn Anbieter mit günstigen Preisen locken und später deutlich teurer werden, ist dies kein funktionierender Wettbewerb.
Hier braucht es klare Regeln und mehr Transparenz, damit Energie als Grundbedürfnis bezahlbar bleibt.
Luca Illgen
Marketing







