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Warum wir Gendern 🌈

Über die Schreibweise mit dem Gender-Sternchen gibt es viele Meinungen – warum wir uns für die Variante mit * entschieden haben, liest du hier. 

12. Juli 2022

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Über das Gendern wird viel diskutiert. Die einen halten es für wichtig und richtig, andere finden Texte, in denen gegendert wird, schwer zu lesen, manche fühlen sich regelrecht angegriffen von *,  _ oder : aber nur ganz wenigen Menschen ist es egal. 

Auch bei uns im Team haben wir uns lange und viele Gedanken dazu gemacht, wie wir mit dem Gendern umgehen wollen. Wollen wir das? Müssen wir das? Werden unsere Texte dann unlesbar, lang und hässlich?
Nachdem dann klar war: “Gendern, das wollen wir! 💪”, stellte sich die nächste Frage: “Aber wie?”. Die Möglichkeiten sind vielfältig, ihre Pros und Contras mitunter lang und so eine richtige Vorgabe von offiziellen Stellen gibt es nicht. 

Schlussendlich haben wir uns für die Variante mit dem * dem sogenannten Gender-Sternchen entschieden. Warum? Weil sie für uns am besten das widerspiegelt, was wir damit ausdrücken wollen: Nämlich, dass bei uns wirklich alle willkommen sind. Egal, ob Mann, Frau oder all die wunderbaren Formen dazwischen. 🌈 💚

Damit ihr diese Entscheidung ein wenig besser versteht, will ich hier kurz darauf eingehen, was das sogenannte Gender-Sternchen eigentlich aussagt. 

Warum das Gender-Sternchen?

Für uns war es vor allem wichtig, dass wenn wir Gendern, wir es möglichst ganzheitlich machen. Also nicht nur Männer und Frauen gleichermaßen anzusprechen, sondern auch Menschen, die sich als trans*, inter* oder nicht-binär identifizieren. 

Bei der Recherche, wie das am besten geht, sind wird auf das Sternchen gestoßen, das symbolisch in alle Richtungen strahlt und somit alle Menschen mit einbezieht und nicht nur Frauen und Männer. Das hat uns gut gefallen.

Außerdem gibt es auch noch einen kleinen technischen Aspekt, denn neben dem * gibt es auch noch den _ und den :, die eine ähnliche Symbolik wie das Gender-Sternchen haben. Doch gerade der : wird bei Entwicklern für die vielfältigsten Befehle verwendet, was durchaus zu Probleme führen kann. In unserem Falle nur ein Nebeneffekt, aber dennoch ein weiteres Argument für das Gender-Sternchen. Somit ist unsere Entscheidung gefallen und wir nutzen es von nun an für unsere externe aber auch unsere interne Kommunikation.
Denn nicht nur alle unsere Kund*innen sollen sich gleichermaßen angesprochen fühlen, dasselbe ist uns auch bei unseren Mitarbeiter*innen wichtig. Aber warum ist uns das überhaupt ein Anliegen?

Warum finden wir es wichtig, zu gendern?

Kritiker*innen des Genderns geben als Argument gerne an, dass mit dem generischen Maskulinum – also der generellen Verwendung der männlichen Form zum Beispiel bei Kollegen, Lesern oder Mitarbeitern – ja immer beide Geschlechter, also männliche und weibliche Kolleg*innen angesprochen würden. Und natürlich, in der Theorie und rein grammatikalisch haben sie damit natürlich absolut Recht.

Aber abgesehen davon, dass das generische Maskulinum keinesfalls alle Formen neben und zwischen der männlichen und weiblichen anspricht, zeigen Studien auch, dass das generische Maskulinum in der Praxis doch so seine Tücken hat. 

Rein aus grammatikalischer Sicht ist es natürlich so, dass das generische Maskulin per Definition für alle gelten soll. Dennoch gibt es einige Studien, die zeigen: Wenn Sätze im generischen Maskulinum formuliert sind, stellen sich die meisten Menschen eben trotzdem vor allem Männer vor. 

Ein Beispiel dafür ist ein Versuch, in dem Personen nach berühmten Persönlichkeiten gefragt wurden.  Lautete die Frage: "Nennen Sie berühmte Musiker", nannten die Teilnehmer*innen deutlich mehr Männer, als wenn nach Musikerinnen und Musikern gefragt wurde.

Noch spannender finde ich persönlich allerdings eine Studie, die mit Reaktionszeitmessungen arbeitete. Dafür bekamen die Probanden verschiedene Sätze vorgelegt, zum Beispiel: “Die Sozialarbeiter liefen durch den Bahnhof. Wegen der schönen Wetterprognose trugen mehrere der Frauen keine Jacke.” Die Frage war dann, ob der zweite Satz eine sinnvoller Ergänzung des ersten sei. Gemessen wurde die Zeit, bis die Probanden “ja” drückten. Dabei stellte sich heraus: Die Reaktionszeit war immer dann länger, wenn im zweiten Satz Frauen vorkamen. Die weiblichen Sätze schienen die Versuchspersonen also irgendwie zu irritieren. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass das generische Maskulinum eher Bilder von Männern im Kopf erzeugt. Doch nicht nur im Alltag auch im Berufsleben gibt es einige wichtige Argumente, die aus unserer Sicht für das Gendern sprechen.

Das Gendern in der Berufswelt – was bringt das?

Die Werbeagentur CPB London hat das mit einer Kampagne – wie ich finde – ziemlich eindrucksvoll dargestellt, dass auch in der Berufswelt bestimmte Jobtitel oder bestimmte Eigenschaften nach wie vor klar männlich und klar weiblich besetzt sind. Ich kopiere euch einige der Anzeigen hier rein – lasst sie einfach mal auf euch wirken. 

Und jetzt ganz ehrlich: Hast du beim CEO auch an einen Mann und bei der Krankenschwester auch an eine Frau gedacht? Ich muss zugeben: Ich auch! Und das, obwohl die englische Sprache ja gar keinen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Form von “CEO” oder “nurse” macht. 

Natürlich wird das Gendern alleine diese Tatsache nicht von heute auf morgen ändern aber dennoch zeigen Studien, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob nur das generische Maskulinum verwendet wird oder auch weibliche oder neutrale Formulierungen genutzt werden. Ich will hier nur zwei davon nennen, die für uns weitere Plusunkte für das Gendern darstellen:

👉 Frauen werden sichtbarer

Wenn in einem Text statt von “Spezialisten” von “Spezialisten und Spezialistinnen” die Rede war, dachte fast die Hälfte der Leute, dass der Spezialist eine Frau war. Bei der rein männlichen Form glaubten das nur etwa ein Drittel. 

👉 Gendern kann sich auf die Berufswahl auswirken

Wenn Stellenanzeigen zum Beispiel nicht im generischen Maskulinum geschrieben sind und weniger Attribute wie “dominant” und “Führung” verwendet werden, bewerben sich deutlich mehr Frauen. Einige Studien belegen sogar, dass Frauen Jobs bei gleicher Qualifikation seltener bekommen, wenn die Anzeigen rein männlich formuliert sind. Daran ändert auch die Schreibweise “Geschäftsführer (m/w/d)” interessanterweise nichts. Erst bei der Formulierung “Geschäftsführer oder Geschäftsführerin” änderte sich dies. 

Unser Fazit: Gendern, ja bitte! 🌈🤩

Ja, Texte mit Gender-Sternchen sind nicht immer schön zu lesen! Auch diesen Kritikpunkt kennen wir und, ganz ehrlich? Viele unserer Mitarbeiter*innen finden die Texte mit dem Gender-Sternchen auch nicht wunderschön und toll zu lesen. Auch ich kämpfe beim Schreiben durchaus auch mal mit grammatikalischen Tücken, wenn alle Formen genannt werden sollen.

Aber dennoch sind wir überzeugt, das ist in Ordnung! Denn das Ziel, das wir durch die Verwendung des Gender-Sternchens verfolgen ist für uns wichtiger, als manche grammatikalischen Tücken. Und ganz ehrlich, der untenstehende Text auf dem Bild zeigt, dass eigentlich nur der erste und der letzte Buchstabe eines Wortes an der richtigen Stelle sein müssen, damit wir das Wort lesen können. Daher bin ich überzeugt, dass wir alle mit ein paar kleinen *innen leben können und hoffe, du kannst es auch. 🐙💚

Falls du noch mehr zum Thema Gendern lesen willst, habe ich hier ein paar interessante Artikel zusammengestellt, die mir auch beim Schreiben dieses Textes geholfen haben:

👉 Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtemmberg: Gendern: Pro und Contra

👉 ZDF logo: Was bedeutet Gendern?

👉 Quarks.de: Was Gendern bringt – und was nicht

👉 DUP Magazin: Gendern im Unternehmen – ja oder nein?


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Simone Groß
Senior Marketing Manager

Titelbild: © Unsplash - Guy Stevens

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