Wettbewerb statt Monopol: Warum die Grundversorgung endlich fair werden muss
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Wettbewerb statt Monopol: Warum die Grundversorgung endlich fair werden muss

Eine neue Studie von Octopus Energy und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) zeigt: Die Strom-Grundversorgung ist zu teuer, zu intransparent und reformbedürftig. Wir zeigen dir, warum die Grundversorgung endlich fairer werden muss.

03. März 2026

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Strom

Stell dir vor, du ziehst in eine neue Wohnung und kümmerst dich nicht sofort um einen Stromvertrag. Kein Problem: Du bekommst automatisch Strom. Genau dafür gibt es die sogenannte Grundversorgung: Sie springt ein, wenn kein anderer Vertrag besteht.

Was als Sicherheitsnetz gedacht war, steht jedoch heute zunehmend in der Kritik.

Ein System mit großem Reformpotenzial

Die Grundversorgung soll sicherstellen, dass jede:r jederzeit mit Strom versorgt wird. Zuständig ist automatisch der Anbieter, der in einem Netzgebiet die meisten Kund*innen beliefert. Dieses Unternehmen wird Grundversorger – ohne Ausschreibung, ohne Wettbewerb.

Das Prinzip stammt aus einer Zeit, in der der Strommarkt noch wenig liberalisiert war. Heute haben wir eigentlich einen offenen Energiemarkt mit vielen Anbietern und Tarifoptionen. Trotzdem gilt für die Grundversorgung noch immer: Der Größte bekommt den Zuschlag – nicht der Beste.

Und genau hier beginnt laut der Studie der FfE das Problem.

  1. Fehlender Wettbewerb

Da der Grundversorger automatisch bestimmt wird, fehlt echter Konkurrenzdruck. Ohne Wettbewerb gibt es weniger Anreize, faire Preise zu bieten oder die Servicequalität zu verbessern.

2. Fehlende Transparenz

Für Verbraucher*innen ist kaum nachvollziehbar, wie sich die Preise zusammensetzen. Gleichzeitig ist eine effektive Kontrolle durch die Bundesnetzagentur nur eingeschränkt möglich, da keine umfassende Offenlegungspflicht besteht.

3. Soziale Schieflage

Besonders problematisch: Haushalte mit geringerem Einkommen verbleiben überdurchschnittlich häufig in der Grundversorgung und zahlen damit besonders oft höhere Preise.

Im Rahmen der Studie lagen Grundversorgungstarife um bis zu 12,99 ct/kWh über den Normaltarifen desselben Versorgers. Im Vergleich zum günstigsten wettbewerblichen Anbieter fiel die Differenz häufig noch deutlicher aus.

Aktuell sind rund 23 % aller Haushalte in der Grundversorgung, das betrifft knapp 20 Millionen Menschen. Die Mehrkosten summieren sich laut Berechnungen im Rahmen der Studie auf rund 5,5 Milliarden Euro jährlich laut Berechnungen im Rahmen einer Verivox-Studie.

Im europäischen Vergleich zeigt sich: Mit diesen strukturellen Problemen ist Deutschland eher die Ausnahme. Andere Länder haben wettbewerbliche Modelle etabliert, die Verbraucher*innen besser absichern.

Was wir fordern

Für uns ist klar: Die Grundversorgung muss wieder das sein, was sie ursprünglich sein sollte – eine faire Absicherung im Ausnahmefall. Kein strukturelles Geschäftsmodell mit Wettbewerbsvorteilen.

Deshalb fordern wir einen verbindlichen Reformfahrplan mit drei konkreten Hebeln:

Wettbewerb statt Monopol

Die Grundversorgung sollte regelmäßig – etwa alle vier Jahre – ausgeschrieben werden.

Den Zuschlag erhält der Anbieter mit dem besten Gesamtpaket aus Preis und Service. So profitieren Haushalte von echtem Wettbewerb.

Verbindliche Preistransparenz

Energieversorger sollten verpflichtet werden, ihre Kalkulation gegenüber der Bundesnetzagentur offenzulegen.

Nur mit Transparenz kann eine wirksame Preiskontrolle stattfinden.

Marktmechanismen und soziale Absicherung trennen

Stromkosten bei Leistungsbezug sollten ähnlich wie bei Heizkosten direkt vom Jobcenter an den Versorger überwiesen werden.

Das reduziert Zahlungsausfälle, entlastet alle Kund*innen und sorgt dafür, dass soziale Unterstützung zielgerichtet wirkt – ohne Marktmechanismen zu verzerren.

Warum das jetzt wichtig ist

Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Stromkosten weltweit. Hohe und als unfair empfundene Preise gefährden die Akzeptanz der Energiewende.

Mehr Wettbewerb und mehr Transparenz können die Stromkosten für Millionen Haushalte senken ohne zusätzliche Belastungen für den Staatshaushalt.

Oder anders gesagt:
Ein Sicherheitsnetz darf kein Preisaufschlag sein.

Jetzt braucht es politischen Mut für eine Reform.


Domenik Brader
Marketing & PR