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Energierevolution jetzt! Unsere Forderungen an die neue Bundesregierung

Deutschland braucht keine mĂŒde Energiewende, sondern eine richtige Energierevolution!

14. Oktober 2021

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Unsere Lieblinge
Energiewirtschaft &-Politik

Ein Energiemanifest fĂŒr Deutschland

Es gibt zwei GrĂŒnde, warum wir Octopus Energy gegrĂŒndet haben:

🌍đŸ’Ș Der Kampf gegen den immer rascher voranschreitenden Klimawandel und der Einsatz fĂŒr Fairness und soziale Gerechtigkeit. Diese Ziele stehen im Mittelpunkt unseres Tuns.

Der grĂŒne Wandel kann – und sollte – so gestaltet werden, dass die Interessen der BĂŒrger*innen Vorrang haben vor den Interessen der Energieunternehmen. Allzu oft hören wir von Haushalten, die es sich nicht leisten können, ihre HĂ€user im Winter warm zu halten und deren Lebensstandard leidet, weil sie in ĂŒberteuerten EnergievertrĂ€gen gefangen sind. Viele wissen gar nicht, dass sie ihren Energieanbieter frei wĂ€hlen können.

Gleichzeitig wird diesen Menschen gesagt, dass die Energiewende teuer sein wird; dass mehr Investitionen erforderlich sind, um den Energiesektor zu modernisieren, und dass deshalb der Energiepreis immer weiter steigen wird.

So muss es nicht sein.

Jeder hat ein Recht auf billige, saubere Energie. Und wir werden nicht bis 2035 oder 2050 warten, um sie zu liefern. Wir glauben, dass eine positive Wende schon jetzt stattfinden kann und haben unsere Vision in Form eines Energiemanifests fĂŒr 2021 formuliert. Es enthĂ€lt jene unmittelbar umsetzbaren Maßnahmen mit den grĂ¶ĂŸten positiven Auswirkungen – sowohl fĂŒr Energieverbraucher*innen, als auch fĂŒr den Kampf gegen den Klimawandel.

Energiemanifest zum Download als PDF

Wo die neue Bundesregierung jetzt handeln muss:

💰 Energiebepreisung
đŸ€– Technologieförderung
🙋 Verbraucherschutz
⚖ Smartere Regulierung

Hier sind die Forderungen im Detail:

1. ENERGIEBEPREISUNG 💰

đŸ”¶ Strom muss zum gĂŒnstigsten EnergietrĂ€ger fĂŒr alle Verwendungszwecke im Haushalt werden đŸ”¶

💰 Strom muss die kostengĂŒnstigste Energiequelle fĂŒr Haushalte werden, etwa beim Heizen und beim Personenverkehr. ElektrizitĂ€t ist in diesen Bereichen schon heute CO2-Ă€rmer als der Einsatz fossiler Brennstoffe, und ihr CO2-Fußabdruck wird jedes Jahr kleiner. Daher ist es auch ökologisch sinnvoll, dass Strom zur gĂŒnstigsten Alternative wird. So sollte beispielsweise der Betrieb eines Elektroautos pro Kilometer deutlich sparsamer sein als der eines entsprechenden Benzin- oder Dieselfahrzeugs, und das Heizen im Haus mit einer WĂ€rmepumpe pro WĂ€rmeeinheit weniger kosten als mit einem Gas- oder Ölheizkessel.

Ganze 51,4 % des Strompreises machen staatliche Abgaben und Steuern aus. Quelle: BDEW, Stand Juni 2021

Das muss jetzt getan werden:

đŸ”· Die EEG-Umlage auf Haushaltsstrom rasch auslaufen lassen

Derzeit macht die EEG-Umlage ganze 20,4 % des Preises einer Kilowattstunde Strom aus, das entspricht 6,5 Cent (Quelle: BDEW, Stand Juni 2021). Bis Ende 2023 sollte sie auf Null sinken. Die Kosten sollten entweder ĂŒber Steuern auf fossile EnergietrĂ€ger (z.B. die ab 01.01.2021 eingefĂŒhrte CO2-Bepreisung von Gas) oder ĂŒber allgemeine Steuern gedeckt werden.

đŸ”· Die Stromsteuer abschaffen

Derzeit entfallen 6,4 % der Kosten fĂŒr eine Kilowattstunde auf die Stromsteuer, was etwa 2 Cent entspricht. Sie dient keinem anderen Zweck als der kĂŒnstlichen Verteuerung des Stroms. (Dies war sinnvoll, als der meiste Strom mit schmutzigen fossilen Brennstoffen erzeugt wurde: Höhere Preise hielten vom Verbrauch ab. In einer Zukunft, in der der Großteil unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen stammt, macht dies keinen Sinn). Die entgangenen Steuereinnahmen sollten in der allgemeinen Besteuerung aufgefangen werden.

đŸ”· Alle weiteren Abgaben und Steuern auf Strom abschaffen

Zahlreiche weitere Abgaben verkomplizieren die Rechnungen der Verbraucher*innen und verursachen unnötige Kosten in den Prozessen der Energieunternehmen. (Lies im Blogpost zur Strompreiszusammensetzung mehr dazu). Bis 2025 sollten Stromrechnungen nur noch aus direkten Kosten bestehen, d. h. aus Rohstoffkosten, Netzentgelten, Lieferantenkosten und der Mehrwertsteuer. Durch diese Maßnahmen wĂŒrden die Stromrechnungen um 35,4 Prozent gesenkt, was einem durchschnittlichen Haushalt in Deutschland eine Ersparnis von knapp 350 Euro jĂ€hrlich einbringen wĂŒrde (Durchschnittshaushalt, Jahresverbrauch von 3.000 kWh und Ø Strompreisen vom Juni 2021).

BĂŒrger*innen werden in neue Technologien investieren mĂŒssen, zum Beispiel, wenn sie von einem Verbrenner auf ein Elektrofahrzeug wechseln oder ihre alte Ölheizung ersetzen.

Wenn man den Menschen zusichern kann, dass Ökostrom langfristig fĂŒr niedrigere Betriebskosten sorgt, kann die Entscheidung fĂŒr den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Strom schneller und leichter gefĂ€llt werden.

Wenn die Investitionen der Haushalte im Zuge der Elektrifizierung angekurbelt werden können, dann hat das nicht nur positive Klimaeffekte zur Folge, sondern setzt auch wirtschaftliche Impulse.

Neue Technologien mĂŒssen gefördert werden und Windkraft massiv ausgebaut

2. TECHNOLOGIEFÖRDERUNG đŸ€–

đŸ”¶Wir mĂŒssen die EinfĂŒhrung von Technologien beschleunigen, die der Energiewende den Weg ebnen đŸ”¶

đŸ€“ Intelligente Anwendungen können helfen, den Energieverbrauch zu optimieren, etwa durch die Identifizierung von Energieeinsparpotenzialen oder es ermöglichen, Strom gezielt dann zu nutzen, wenn ein Überschuss im Netz besteht und die Preise niedrig sind.

Dennoch werden Haushalte aktuell von der Nutzung intelligenter Energietechnologie abgeschreckt. Menschen, die ihren Verbrauch in Echtzeit steuern wollen, haben dazu wenig Anreiz, da mit dem Einbau intelligenter ZĂ€hler (Smart Meter) deutlich höhere MessgebĂŒhren fĂ€llig werden.

Zudem liegt die Steuerung abschaltbarer Verbrauchseinrichtungen, wie WĂ€rmepumpen und Wallboxen, aktuell allein bei den Netzbetreibern, die es aber verpassen, deren eigentliches Potenzial herauszuholen und deren FlexibilitĂ€t zu optimieren. Die finanziellen Vorteile fĂŒr Endverbraucher*innen sind zudem schwer zu kommunizieren, da jeder Netzbetreiber unterschiedliche EntgeltsĂ€tze definiert und damit wenig Transparenz herrscht.

Wir mĂŒssen sofort aufhören, der Anwendung smarter Energietechnologie-Lösungen Steine in den Weg zu legen.

Das muss jetzt getan werden:

đŸ”· Die Kosten fĂŒr intelligente ZĂ€hler gerecht verteilen

Anstatt dass jeder Einzelne fĂŒr einen Smart Meter extra bezahlt, sollten wir diese ĂŒber die Netzentgelte finanzieren. Die Kosten fĂŒr die GerĂ€te wĂŒrden somit auf alle Verbraucherinnen und Verbraucher umgelegt, aber aufgrund der im Punkt 1 beschriebenen Senkung von Steuern und Abgaben wĂ€ren die Stromrechnungen auch ohne die positiven Auswirkungen eines effizienten Energiemanagements immer noch niedriger als heute. Die Bereitstellung eines intelligenten ZĂ€hlers kostet heute etwa 60 bis 100 Euro pro Jahr, also deutlich weniger als die unter Punkt 1 genannten knapp 350 Euro Einsparung.

đŸ”· Einheitliche und transparente Anreize dafĂŒr schaffen, den Stromverbrauch intelligent zu optimieren

Es sollte nicht den Netzbetreibern ĂŒberlassen bleiben, ĂŒber vergĂŒnstigte Netzentgelte fĂŒr steuerbare Lasten zu bestimmen. ZunĂ€chst sollten diese Entgelte deutschlandweit vereinheitlicht werden. Haushalte, die mittels marktorientierter, dynamischer Tarife ihren Stromverbrauch optimieren und so das Netz entlasten, sollten einheitlich und transparent finanziell davon profitieren.

đŸ”· Andere gewichtige Hindernisse bei der EinfĂŒhrung intelligenter Energietechnologien identifizieren und beseitigen

Regierung und Regulierungsbehörden mĂŒssen sich nun auf den Smart-Meter-Rollout fokussieren anstatt zu versuchen, vorherzusagen, welche Technologien oder Kundenservices sich kĂŒnftig daraus ergeben könnten. Die Regierung muss sicherstellen, dass Firmen im Zuge des Rollouts Raum fĂŒr echte Innovationen bekommen und diese nicht von einer voreingenommenen Perspektive auf kĂŒnftige Entwicklungen eingeschrĂ€nkt werden.

Octopus Energy legt wert auf absoluten Kundenfokus und nutzt Technologie, um Prozesse einfacher und schlanker zu gestalten

3. VERBRAUCHERSCHUTZ 🙋

đŸ”¶ Endverbraucher*innen mĂŒssen besser geschĂŒtzt werden und mehr Planungssicherheit erhalten đŸ”¶

Konsumentinnen und Konsumenten mĂŒssen der Energiewende und auch den Energielieferanten selbst vertrauen können. Energieversorgern kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Zu lange wurden Endkund*innen bei den VerĂ€nderungen auf dem Energiemarkt vernachlĂ€ssigt. Trotz der Änderung des Energiegesetzes im Jahr 2021 ist es Energieunternehmen immer noch erlaubt, Kunden automatisch an lĂ€ngere Vertragslaufzeiten zu binden, wenn sie nicht rechtzeitig aktiv kĂŒndigen. Der Billigstromanbieter BEV hatte sich zum Beispiel dermaßen verzockt in Sachen Preisspirale und Bonuszahlungen, dass es 2019 zur Pleite kam und die Haushalte den Großteil der Kosten zu tragen hatten.

Wir brauchen einen noch besseren Verbraucherschutz und mĂŒssen den massiv verbraucherfeindlichen GeschĂ€ftsgebaren auf dem Energiemarkt einen Riegel vorschieben.

Das muss jetzt getan werden:

đŸ”· Die automatische VertragsverlĂ€ngerung mit Vertragsbindung verbieten und garantieren, dass nach Ablauf der vertraglichen Bindungsfrist der Anbieter gewechselt werden kann.

Jeder Haushalt sollte nach Ablauf der ursprĂŒnglichen Bindungsfrist an einen Anbieter jederzeit den Versorger wechseln können. Selbst wenn jemand seinen Vertrag kĂŒndigt, gibt es heute keine Garantie, dass die KĂŒndigung rechtzeitig bearbeitet wird. Einige Unternehmen nutzen Verzögerungen bei der Bearbeitung als Vorwand, um die Haushalte fĂŒr weitere zwölf Monate an ihren Vertrag zu binden. Dies sollte nicht zulĂ€ssig sein: Der Wunsch zu wechseln sollte respektiert werden, unabhĂ€ngig davon, wie lange es dauert, bis der Wechselprozess hinter den Kulissen abgeschlossen ist. VertrĂ€ge mit automatischer VerlĂ€ngerung sollten keine Vertragsbindung haben.

đŸ”· Eine Preisobergrenze fĂŒr die teuersten Tarife einfĂŒhren

Wir sind der Meinung, dass die Haushalte nicht mehr als die Kosten fĂŒr die Versorgung plus einen festen Betrag (etwa 15 Euro pro Monat) zahlen sollten. Dieser Ansatz zum Schutz vor ĂŒberteuerten Strompreisen wurde im Vereinigten Königreich angewandt und hat den Haushalten weit ĂŒber eine Milliarde Pfund pro Jahr eingespart (Quelle Reuters Artikel). Mehr zur Preisdeckelung auf der Website der Regulierungsbehörde.

đŸ”·Preisvergleichsseiten verpflichten, den Durchschnittspreis ĂŒber die gesamte Vertragslaufzeit anzugeben und Anbieter auf dieser Grundlage zu ranken

Heute werden auf Strompreisvergleichsportalen einige Tarife auf Grundlage der durchschnittlichen Zahlung im ersten Vertragsjahr eingestuft, auch wenn der Kunde fĂŒr mehrere Jahre und zu einem viel höheren Durchschnittspreis gebunden ist. Einige skrupellose Energieunternehmen nutzen diese Taktik, um Haushalten glauben zu machen, sie bekĂ€men ein sehr gĂŒnstiges Angebot - wĂ€hrend sie in Wirklichkeit möglicherweise mehr zahlen, als wenn sie beim lokalen Grundversorger Energie zum Basistarif beziehen wĂŒrden.

Energiemanifest zum Download als PDF

4. SMARTERE REGULIERUNG ⚖

đŸ”¶ Gesetzgeber und Behörden mĂŒssen besser informiert sein đŸ”¶

Bessere Informationen sorgen fĂŒr richtigere Entscheidungen im Energiemarkt der Zukunft, insbesondere wenn es um den Verbraucherschutz und die Umsetzung des grĂŒnen Wandels geht.

Wir mĂŒssen dem Gesetzgeber und staatlichen Organen die Daten an die Hand geben, die zeigen, wie wir technologiegestĂŒtzt KlimaneutralitĂ€t erreichen und den Verbraucherinnen und Verbrauchern gleichzeitig Vorteile bieten können.

Gute Daten erleichtern allen Beteiligten im Sinne des Gemeinwohls zusammenzuarbeiten, indem sie einen offenen Dialog und eine effektive Kommunikation möglich machen.

Das muss jetzt getan werden:

đŸ”· Eine einzige Aufsichtsbehörde schaffen, die den Verbraucherschutz im Energiesektor in die Hand nimmt.

Dieses Aufsichtsamt sollte die Befugnis eingerĂ€umt werden, relevante Daten von den Energieversorgern einzuholen, gewisse Regeln fĂŒr diese festzulegen und Energieunternehmen, die sich nicht an die Regeln halten, mit Geldstrafen zu belegen. Sie sollte beispielsweise Informationen ĂŒber die Anzahl der Beschwerden gegen die einzelnen Energieversorger sammeln und veröffentlichen, um den Verbrauchern zu helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Derzeit gibt es mindestens sieben Organisationen, die in irgendeiner Form fĂŒr den Verbraucherschutz zustĂ€ndig sind. Eine einzige und durchsetzungstarke Aufsichtsbehörde wĂŒrde Verantwortlichkeiten deutlich machen und zweifelhafte Praktiken im Energiesektor unterbinden können.

đŸ”· Die Energieversorger verpflichten, zusammenfassende Abrechnungen zu veröffentlichen, die eine detaillierte AufschlĂŒsselung ihrer Betriebskosten enthalten.

Das Format sollte Àhnlich sein wie die im Vereinigten Königreich von der Regulierungsbehörde Ofgem erhobenen konsolidierten Segmentberichterstattungen. Diese Daten werden öffentlichen Stellen einen viel besseren Einblick in die Kosten des Betriebs von Energieunternehmen geben, was bei der Ausarbeitung neuer Vorschriften von unschÀtzbarem Wert ist.

đŸ”· Die Netzbetreiber verpflichten, regelmĂ€ĂŸig Daten ĂŒber die Verbreitung von digitalen und intelligenten ZĂ€hlern zu veröffentlichen.

Dies wird die EinfĂŒhrung intelligenter ZĂ€hler transparenter machen und es ermöglichen, bewĂ€hrte Verfahren zu identifizieren und zu propagieren.

FAZIT: Mehr Ehrgeiz fĂŒr eine bessere Zukunft

Wir sind ĂŒberzeugt davon, dass die hier dargelegten Empfehlungen dazu beitragen können, Energie besser zu machen: besser fĂŒrs Klima und besser fĂŒr die Menschen. Diese Maßnahmen können schnell umgesetzt werden, viele davon mit sehr geringem Kostenaufwand.

„Es ist nicht ausreichend viel passiert“.
sagte Angela Merkel im Sommer 2021 als scheidende Bundeskanzlerin zum Thema Klimapolitik

Unserer Meinung nach muss die nÀchste Regierung sowohl beim Klima- als auch beim Verbraucherschutz viel mehr Ehrgeiz an den Tag legen. Die Energiewende reicht nicht mehr aus:

‍Wir brauchen eine Energierevolution!

Andrew Mack, CEO von Octopus Energy Germany

‍

Über den Autor:
Andrew Mack, CEO von Octopus Energy Germany. Der gebĂŒrtige Brite und Energieexperte setzt sich fĂŒr eine klima- und verbraucherfreundliche Energiepolitik ein.

Energiemanifest zum Download als PDF


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Caroline Drechsel
Senior Marketing Manager

Titelbild: © Unsplash - Miguel Bruna

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