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Wieso Stromanbieter ihren Kund*innen kündigen 😓 Die Hintergründe

Was ist da los auf dem deutschen Strommarkt? Einem Markt der normalerweise geprägt ist von Anbietern, die sich mit Neukundenrabatten und schicken Willkommensgeschenken übertreffen, um möglichst viele Kund*innen anzulocken. Doch davon ist aktuell so gar nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, immer mehr Stromanbieter kündigen ihren Kund*innen.

21. Januar 2022

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Energiewirtschaft &-Politik
Gas
Strom

Plötzlich sind es die Verbraucher*innen, die händeringend nach einem neuen Anbieter suchen müssen und dabei erheblich teurere Preise zahlen als bisher. 

Stromanbieter kündigen ihren Kund*innen: Was ist passiert?

Unter normalen Umständen kommt es so gut wie nie vor, dass Stromanbieter von ihrem Recht Gebrauch machen, den Vertrag mit ihren Kund*innen zu kündigen. Eine Ausnahme ist eigentlich nur dann der Fall, wenn diese ihre Rechnungen nicht bezahlen.
Aktuell ist die Situation allerdings eine andere. Laut Bundesnetzagentur haben im vergangenen Jahr ganze 35 Stromanbieter ihren Kund*innen gekündigt. Darunter waren auch bekannte Anbieter wie etwa Stromio zu dem auch die Marke Grünwelt gehört. Hunderttausende Haushalte sind von diesen Kündigungen betroffen. Doch wie kam es dazu?

Der Grund für diese nie dagewesene Welle von Kündigungen durch die Stromanbieter liegt in den massiv gestiegenen Großhandelspreisen für Strom. Diese sorgen dafür, dass die Anbieter den Strom aktuell zu sehr hohen Preisen einkaufen müssten. Und weil sich das oftmals nicht lohnt, stellen diese die Belieferung ein - oder müssen sie einstellen, da ihnen sonst im schlechtesten Fall eine Insolvenz drohen würde. 
Doch sehen wir uns die Lage einmal genauer an. 🧐

So funktioniert der Strom-Großmarkt

Wie wir bereits erläutert haben, spielen die Preise am Strommarkt aktuell verrückt. Der Großhandelspreis für Elektrizität war 2021 rund dreimal so hoch wie im Vorjahr und lag bei rund 97 Euro pro Megawattstunde. Kurz vor Weihnachten erreichte dieser Preis sogar kurzfristig einen Rekord von über 400 Euro! Um zu verstehen, wie diese Tatsache nun dazu geführt hat, dass Anbieter ihren Kund*innen reihenweise kündigen, sehen wir uns einmal an, wie der Einkauf von Energie auf dem Strommarkt funktioniert. 

Für Anbieter gibt es zwei verschiedene Arten, Strom einzukaufen. Einmal auf dem sogenannten Terminmarkt und einmal auf dem sogenannten Spotmarkt. 

👉 Auf dem Terminmarkt kaufen Anbieter den Strom bereits bis zu mehrere Jahre im Voraus ein - zu vorab vereinbarten Festpreisen. Diese Geschäfte werden auch als “Futures” bezeichnet, da der Stromeinkäufer - in unserem Fall der Anbieter - bereits im Voraus seinen Strom für einen fixen Preis einkauft. Die Lieferzeitpunkte dieser Stromkontingente können mitunter mehrere Jahre in der Zukunft liegen. Dank dem ausgehandelten Festpreis sichert sich der Anbieter so gegen Preisschwankungen auf dem Strommarkt ab. 

👉 Dem gegenüber steht der Spotmarkt, auf dem man auch kurzfristig - teilweise bis zu 5 Minuten vor Lieferbeginn - Strom zukaufen kann. Dann aber eben zu den Preisen, die in diesem Moment gelten. 

Manche Anbieter sind vorsichtig und haben einen Großteil ihres Stroms langfristig über den Terminmarkt gesichert. 

Es gibt jedoch auch andere Anbieter, die nur einen geringen Teil des Strombedarfs für ihre Kund*innen am Terminmarkt eingekauft haben. Sie hofften vermutlich darauf, dass die Strompreise in Zukunft fallen würden und sie so günstiger einkaufen können.
Eine Hoffnung, die - wie wir nun wissen - nicht eingetreten ist. Statt günstigen Strom müssten diese Anbieter nun unglaublich teuer am Spotmarkt zukaufen, um genug Strom für ihre Kund*innen zu haben. Und genau hier liegt das Problem. Denn somit wird es jetzt für einige Unternehmen zum Verlustgeschäft, ihre Kund*innen zu den vereinbarten Konditionen zu beliefern.
Konditionen die auf Basis von niedrigeren Einkaufspreisen kalkuliert wurden. Daher versuchen diese Anbieter nun, die Kund*innen durch Kündigungen loszuwerden. Das Nachsehen haben in diesem Fall die Verbraucher*innen.
Zwar müssen diese zumindest keine Sorge haben, ohne Strom dazustehen, denn im Zweifel übernimmt der Grundversorger die Ersatzversorgung mit Strom, allerdings müssen sie nun viel höhere Preise bezahlen. 

Zwar haben umsichtige Anbieter wie die Grundversorger - oder auch wir - ihren Bedarf im Voraus kalkuliert und den Großteil dieses Bedarfs am Terminmarkt eingekauft. Durch die vielen gekündigten Kund*innen, die nun in der Ersatzversorgung oder bei einem alternativen Anbieter landen, sind diese Kalkulationen allerdings hinfällig und der Strom für die große Zahl an Neukund*innen muss nun kurzfristig am Spotmarkt zu den aktuellen hohen Preisen hinzugekauft werden. Hohe Preise, die sich letztendlich in der Stromrechnung der Verbraucher*innen widerspiegeln. 

Warum ist der Strompreis überhaupt so stark gestiegen? 

Der Strompreis ist seit jeher stark abhängig von den Preisen für Erdgas und Kohle. Beides Rohstoffe, die für die Stromerzeugung genutzt werden. Und genau diese Rohstoffpreise sind in letzter Zeit drastisch gestiegen.
Am teuersten waren zuletzt die mit Erdgas betriebenen Kraftwerke, was auch erklärt, warum der Gaspreis den Strompreis so stark beeinflusst. Zusätzlich befeuert wird die Strompreissteigerung durch die gestiegenen Preise für CO2-Emissionsrechte, die die Kraftwerksbetreiber einkaufen müssen.  

Der Gaspreis hingegen wird zum einen durch die vermehrte Nachfrage angetrieben, sowie stark vom politischen Konflikt zwischen Russland und Europa und vor allem von der Inbetriebnahme der umstrittenen Gaspipeline Nordstream 2 beeinflusst. Mehr zum Thema kannst du in unserem Blogbeitrag: “Steigende Gaspreise 🔥 – Wir erklären warum” nachlesen. 

Alle diese Faktoren führen dazu, dass der Strommarkt in der aktuellen Situation steckt. 

Gerade jetzt, in einer Zeit, in der Gas- und Strompreise explodieren, zeigt sich das ganze Ausmaß. Die knappen Kalkulationen mit hohen Anfangsboni sind aufgrund des Preisanstiegs am Großmarkt nicht mehr zu halten. Die ersten Anbieter sind insolvent und Kund*innen wird innerhalb kürzester Zeit gekündigt. Dass diese Kund*innen dadurch in die meist teure Grundversorgung fallen und nun die Leidtragenden der Entwicklung sind, wird einfach hingenommen.

Was viele Anbieter vergessen ist, dass wir als Energieanbieter maßgeblich für unsere Kund*innen verantwortlich sind. Geschäftspraktiken wirken sich direkt auf das Leben der Verbraucher*innen aus.
Eine große Verantwortung, die viele Energiekonzerne viel zu leichtfertig ausnutzen. Dies bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass es sich langfristig auszahlt, Kund*innen fair und transparent zu behandeln, statt nur auf kurzfristigen Profit aus zu sein. 💚🐙


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Simone Groß
Senior Marketing Manager

Titelbild: © Unsplash - Fré Sonneveld

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